Schweine – intelligente Tiere unter industriellen Bedingungen
Schweine gelten als besonders intelligente und soziale Tiere. Wissenschaftliche Studien belegen, dass sie Problemlösungsfähigkeiten besitzen, die mit denen von Hunden vergleichbar sind, und ein ausgeprägtes Sozialverhalten zeigen. Doch die Bedingungen, unter denen die meisten Schweine in Deutschland aufwachsen, stehen in starkem Widerspruch zu diesen Fähigkeiten und Bedürfnissen.
Wie viel Platz hat ein Schwein?
Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestfläche für ein ausgewachsenes Mastschwein beträgt in Deutschland gemäß der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung je nach Gewichtsklasse zwischen 0,75 und 1,0 Quadratmeter. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Esstisch hat etwa 1,2 Quadratmeter Fläche.
Auf dieser Fläche verbringen Schweine ihr gesamtes Leben – ohne Auslauf, ohne Beschäftigungsmaterial, auf Betonrosten, die der einfachen Gülleentsorgung dienen.
Routineeingriffe ohne Betäubung
In der konventionellen Schweinehaltung sind bestimmte Eingriffe an den Tieren gängige Praxis:
- Schwanzkürzen (Kupieren): Um Schwanzbeißen durch Stress und Enge zu verhindern, werden Schwänzen routinemäßig gekürzt – ein Symptombekämpfungsansatz, der die eigentliche Ursache (Überfüllung) ignoriert.
- Kastrierung männlicher Ferkel: Lange Zeit wurde dies ohne Betäubung durchgeführt. Seit 2021 ist dies in Deutschland nur noch unter Schmerzmittelgabe oder Betäubung erlaubt – ein Fortschritt, der lange erkämpft werden musste.
- Zähne schleifen: Neugeborenen Ferkeln werden in manchen Betrieben die Eckzähne gebrochen oder geschliffen, um Verletzungen der Muttersau zu verhindern.
Das Leben der Zuchtsau
Zuchtsauen – also die Muttertiere – verbringen einen Großteil ihres Lebens im sogenannten Kastenstand. Das ist ein metallener Rahmen, der kaum größer ist als das Tier selbst. Darin können sich die Sauen nicht umdrehen, sich kaum hinlegen und haben keinerlei sozialen Kontakt.
Der Kastenstand ist in Deutschland seit Jahren Gegenstand rechtlicher Auseinandersetzungen. Obwohl Gerichte ihn mehrfach als nicht tierschutzkonform bewertet haben, wird er weiterhin eingesetzt – mit immer neuen Übergangsfristen für die Industrie.
Schlachtung mit durchschnittlich 6 Monaten
Mastschweine werden in Deutschland in der Regel im Alter von etwa 6 Monaten geschlachtet, obwohl sie eine natürliche Lebenserwartung von 10 bis 15 Jahren haben. In diesem kurzen Leben erleben sie keine Außenwelt, kein Wühlen im Boden – ein grundlegendes Verhaltensbedürfnis von Schweinen – und keinen naturgemäßen sozialen Verband.
Was können Verbraucherinnen und Verbraucher tun?
Das Wissen über diese Bedingungen ist der erste Schritt. Wer weniger oder keine tierischen Produkte konsumiert, reduziert direkt die Nachfrage nach dieser Form der Tierhaltung. Politisches Engagement für höhere Tierschutzstandards und die Unterstützung von Organisationen, die sich für Gesetzesreformen einsetzen, sind weitere wirksame Hebel.