Studie zeigt: Erhöhtes Sterberisiko durch Blutdruckmedikamente

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Bluthochdruck oder Hypertonie ist ein wichtiger Risikofaktor für Herzerkrankungen, die häufigste Todesursache in Europa. Aber eine neue Studie hat herausgefunden, dass zwei Klassen von Medikamenten, die häufig verwendet werden, um den Blutdruck zu senken, ein Sterberisiko für sich allein darstellen könnten. Wissenschaftler am Intermountain Medical Center Heart Institute in Salt Lake City, fanden heraus, dass Personen mit Bluthochdruck, die Alpha-Blocker und Alpha-2-Agonisten zur Kontrolle ihres Blutdrucks verwendeten, eine Zunahme der Blutdruckvariabilität zeigten, die das Sterblichkeitsrisiko erhöhen könnte.

Dr. Brian Clements und sein Team haben kürzlich ihre Ergebnisse auf den wissenschaftlichen Sitzungen des American College of Cardiology (ACC) 2018 in Orlando, Florida, vorgestellt. Blutdruck ist die Kraft des Blutes, die gegen die Wand der Arterien drückt. Im November letzten Jahres setzten die American Heart Association (AHA) und die ACC neue Richtlinien. Die mittlerweile auch in Europa gelten. Eine Person gilt als hypertonisch, wenn ihr systolischer Blutdruck (die obere Zahl) 130 mmHg oder höher und ihr diastolischer Blutdruck (die untere Zahl) 80 mmHg oder höher ist.

Systolischer Blutdruck & Diastolischer Blutdruck

Systolischer Blutdruck ist die Kraft des Blutes gegen die Arterienwände drückt, wenn das Herz schlägt, während diastolischer Blutdruck die Kraft des Blutes ist, wenn das Herz in Ruhestellung ist bzw. zwischen einem Herzschlag. Die aktualisierten Leitlinien bedeuten, dass fast die Hälfte der Erwachsenen in Europa einen hohen Blutdruck haben, was sie unter anderem einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzerkrankungen aussetzt.

Natürlich, wenn es um die Behandlung von Bluthochdruck geht, ist das Ziel, den Blutdruck zu senken. Dies kann durch Änderungen des Lebensstils – wie z.B. die Einführung einer gesunden Ernährung und die Erhöhung der körperlichen Aktivität, durch Medikamente oder eine Kombination aus allem erreicht werden.

Frühere Forschungen haben jedoch ergeben, dass die Konsistenz für den Blutdruck entscheidend ist. Eine Studie, die 2016 im BMJ veröffentlicht wurde, verband beispielsweise eine höhere Variabilität des systolischen Blutdrucks mit einem Anstieg der Gesamtmortalität um 15 Prozent. Laut der neuen Studie von Dr. Clements und Kollegen können bestimmte Arten von Medikamenten, die zur Senkung des Blutdrucks eingesetzt werden, zu diesem Sterberisiko beitragen.

Zwei Medikamente sollten vermieden werden

Für ihre Studie analysierten die Forscher die Daten von über 10.500 Erwachsenen mit hohem Blutdruck. Zwischen Januar 2007 und Dezember 2011 wurde der Blutdruck mindestens sieben Mal gemessen und die Art der verwendeten Blutdruckmedikamente überwacht. Das Team verwendete diese Daten, um zu beurteilen, ob bestimmte Klassen von Blutdruckmedikamenten mit einer Variabilität der Blutdruckwerte verbunden waren.

Die Studie zeigte zwei Klassen von Blutdruckmedikamenten, die mit einer höheren Blutdruckvariabilität bei Patienten verbunden waren: Alpha-Blocker und Alpha-2-Agonisten. Alpha-Blocker – darunter Doxazosinmesylat und Prazosinhydrochlorid – wirken durch Erweiterung der Blutgefäße. Alpha-2-Agonisten, wie zum Beispiel Methyldopa, wirken gegen die Aktivität des sympathischen Nervensystems und reduzieren dadurch die Verengung der Blutgefäße.

Basierend auf den Studienergebnissen sagen Dr. Clements und Kollegen, dass diese beiden Medikamente nicht zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden sollten. “Patienten sollten wissen, was ihr Blutdruck ist”, sagt er, “und wenn es die ganze Zeit auf und ab geht, sollte der Patient mit seinem Arzt zusammenarbeiten, um Optionen für die besten Blutdruck-Medikamente zu erforschen, die die Abweichungen reduzieren werden”.

Dr. Clements fügt hinzu, dass ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptorblocker, Kalziumkanalblocker und Thiazid-Diuretika sicherere Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit Bluthochdruck sein können. Allerdings ist die Blutdruckvariabilität nicht allein auf Medikamente zurückzuführen; Dr. Clements stellt fest, dass die Art und Weise, wie der Blutdruck gemessen wird, einen signifikanten Einfluss auf die Messwerte haben kann. “[….] wegen der Variablen, die die Blutdruckmessung beeinflussen”, sagt Dr. Clements, “kann die Suche nach Möglichkeiten, den Blutdruck genauer zu messen, effektive Behandlungen für Patienten mit Hypertonie besser identifizieren.”

Für genaue Blutdruckmessungen empfiehlt er 15 Minuten lang zu sitzen oder sich hinzulegen, bevor die Messungen durchgeführt werden. Die Vermeidung von Stresssituationen und die Verwendung einer gut sitzenden Blutdruckmanschette kann ebenfalls helfen.


Quellen

eurekalert.org, eurekalert.orgmedizin-aktuell.net

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