Silvester – des einen Freud‘, des andern Leid

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Silvester – des einen Freud‘, des andern Leid
(Überarbeitung des Textes von 2017)

Alleine in Deutschland werden jedes Jahr Feuerwerkskörper im Wert von 100 – 150 Millionen Euro (2016)3 am Himmel verpulvert. 150 Millionen Euro für eine vergiftete Luft – aber für gesunde Lebensmittel, faire Kleidung und nachhaltige Produkte ist kein Geld da… Doch werden da wirklich „nur“ ein „paar“ Millionen am Himmel verpulvert? Wie ergeht es den Menschen, welche in den Fabriken die giftigen Feuerwerkskörper zusammensetzen müssen? Welche Auswirkungen hat das Feuerwerk auf unsere (wilde) Tierwelt und letzendlich auch auf uns?

Machen wir uns doch mal ein Bild von einer der Fabriken, in welcher der Stoff für unserer jährliches vernebeln produziert wird. Eigentlich kann sich heute jeder eine Vorstellung davon machen, wie es in den Feuerwerksfabriken so aussieht, doch wie so gerne verdrängen wir dieses Bild ganz tief in uns drin. Selbst wenn Meldung über Explosionen in den (nicht selten illegalen) Fabriken, mit vielen Verletzten und Toten6, sowie über die unwürdigen und gesundheitsschädlichen Arbeitsverhältnisse für die Menschen, von Kinderarbeit ganz zu schweigen, es hin und wieder zum Vorschein bringen.

In Indien arbeiten etwa 30.000 Menschen in der Feuerwerksindustrie (Nach China (Liuyang) ist Indien (Sivakasi) der zweitgrößte Produzent von Feuerwerk), 20 Prozent von ihnen sind noch Kinder (weltweit arbeiten etwa 70.000 Kinder in Feuerwerksfabriken5), unter 14 Jahren.4 Die meisten sind erst zwischen 10 und 12 Jahre alt und arbeiten auf engstem Raum, 13 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche.5 Die Arbeiter müssen, ohne (große) Sicherheitsvorkehrungen, die giftigen und ätzenden Substanzen (Bestandteile sind u.a. Schwefel, Schwarzpulver, Bariumsalze, Thallium, Arsen, Blei, Cäsium und Aluminium)1 zusammenmischen, welche sich in ihre Haut und Lunge fressen. Schwerwiegende gesundheitliche Folgen, wie verätzte Hände, Brandnarben, Asthma und Herz-Kreislauf-Erkrankungen5, sind nicht selten die Folge. Und der Preis dafür? Für das Verpacken einer Riesen-Wunderkerze bekommt eine junge Frau 0,02 Yuan ausgezahlt. Bei 2000 verpackten Wunderkerzen täglich kommt sie auf 40 Yuan (4,60 €)2. Kinder bekommen nicht selten weniger.

Nachdem nun diese Menschen ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben für nicht mal 5,00 € am Tag auf Spiel gesetzt haben, die Feuerwerkskörper um den halben Erdball transportiert wurden, kaufen wir sie für einen Schnäppchen-Preis im Supermarkt ein – wie bei Vielem ist auch hier das Motto: möglichst viel und möglichst billig.

So wartet nun der Stapel an Böllern und Raketen auf seinen Einsatz – mit einem lauten Getöse am Himmel zu verpuffen und mit seinen giftigen Substanzen den Himmel und die Luft zu füllen – welche wir dann mit einem tiefen „ahhh“ und „oooh“ in unsere Lungen ziehen. In der Silvesternacht werden rund 4.500 Tonnen Feinstaub (PM10) frei gesetzt, das sind etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge (2016)3. Und nicht nur wir atmen diese Luft, auch die Pflanzen nehmen sie auf, die Tiere und letzendlich auch unsere Böden.

Während die Menschen in den Fabriken also unter unwürdigen Bedingungen arbeiten müssen, erleben auch einige Tiere während der Silvester-Nacht wahrlich „die Hölle auf Erden“. Wie muss es jenen Tieren gehen, welche mehrmals im Jahr Jagden mit lautem Geballer über sich ergehen lassen müssen, dabei durch Wald und Flur gehetzt werden und zusehen müssen, wie einige ihrer Artgenossen ermordet werden? Was geht wohl in den Tieren vor, welche durch dieses unsäglichen Lärm aus dem Winterschlaf gerissen werden, während Lichtblitze und Schwefelgeruch den Himmel füllen? Aufgeschreckte Vögel und Fledermäuse fliegen vor Panik nicht selten in enorme Höhen, wo sie dann die Orientierung verlieren können und oft nicht mehr zu ihren Schlaf- und Futterplätzen zurück finden. Manchesmal endet diese enorme Stresssituation, welche den Tieren eine Menge benötigte Energie abverlangt, sogar tödlich. Aber nicht nur die Wildtiere, sondern auch ein Teil unserer Haustiere leiden in dieser Nacht enorm unter dem Lärm. Während die Wildtiere mit ihrer Angst allerdings alleine zurecht kommen müssen, sieht es bei unseren Haustieren etwas anders aus, denn diesen können wir helfen diese Nacht etwas erträglicher zu gestalten.

Ein paar Tipps habe ich auch gleich für euch parat:
• Tiere nicht alleine (zu Hause) lassen.
• Katzen sollten möglichst im Haus behalten werden. Richtet eurer Katze einen ruhigen, gemütlichen Rückzugsraum ein, evtl. in einem Karton oder einer Box (wenn sie dies mag).
• Dreht mit euren Hunden die großen Runden vormittags und mittags, sucht euch Routen aus, welche weit ab „vom Schuss“ sind. Sichert euren Hund mit einer (Schlepp-)leine am Geschirr. Sehr ängstliche Hunde sollten doppelt und noch besser, an einem Panikgeschirr geführt werden.
• Schafft einen gemütlichen Rückzugsraum. Einige Tiere bevorzugen gekachelte Räume, wie das Bad oder Kellerräume. Merkt Ihr das, so richtet eurem Hund oder eurer Katze hier einen schönen Platz mit Decken, etwas Schmackhaftem zum knabbern oder einem netten (Futter-)Spielzeug ein. Manch ein anderer Hund (oder Katze) bevorzugt eine Box, das Sofa oder auch den sicheren Platz unter der Bettdecke. Lasst eurem Haustier die Möglichkeit offen, selber ein sicheres, gemütliches Versteck aufzusuchen, wo es sich wohlfühlt. Ignoriert dessen Angst nicht, sondern seid für eurer Tier da, ohne es zu bemitleiden. Schenkt ihm Ruhe und macht es euch gemütlich, vielleicht mit Kerzenschein, einer guten Flasche Wein und lauter Musik.
• Schließt die Rollläden, das dämpft die Geräusche zusätzlich etwas und die Lichtblitze sind nicht sichtbar.
• Passt während der Knallerei auf, das eure Katze/euer Hund nicht aus dem Haus entwischen kann, behaltet Türen und Fenster verschlossen. Wenn Freunde eingeladen sind und diese um Mitternacht vor die Tür gehen, so passt auf, das euer Vierbeiner nicht mit hinaus huscht!
• Ernährung und Ergänzungsmittel: auch über die Ernährung und mit div. Ergänzungsmitteln (z.B. Bachblüten, Kräuter,…) kann man zur Entspannung der Tiere beitragen. Bevor Ergänzungsmittel oder beruhigende Kräuter eingesetzt werden, lasst euch bitte von einer fachkundigen Person beraten.
• Sollte euer Haustier so in Panik geraten, das Medikamente nötig sind, so sollte unbedingt auf Acepromazin (Handelsnamen: Vetranquil, Sedalin, Calmivet und Prequillan)7 verzichtet werden. Dies ist ein Muskelrelaxan. Während es von Außen so erscheint, als wäre das Tier ruhig und „platt“, ist es in Wirklichkeit unfähig eine Regung zu zeigen – gefangen im eigenen Körper. Das Bewusstsein ist allerdings noch voll da und so müssen einige Tiere diesen Horror in völliger Bewegungsunfähigkeit ertragen! Ebenso ist es sinnvoll solche Medikamente vorher (natürlich mit Absprache des Tierarztes) auszuprobieren, um zu sehen, ob die gewünschte Wirkung auftritt und keine unerwünschte.
• Pferde und andere Weidetiere sollten über Silvester in den Stall gebracht werden. Auch diese sollten nicht alleine gelassen werden, da einige von ihnen durchaus in Panik geraten können!

Mit diesen Worten wünsche ich euch (und euren Tieren) einen schönen und ruhigen Start in das neue Jahr, das es uns Liebe, Gerechtigkeit und einen friedlichen Wandel bringt.

Quellen:
1 http://www.mn-hegenbarth.de/pyrotechnik/herstellung_feuerwerk5.html
2 https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/feuerwerkskoerper-die-zuendelnden-erben-des-li-tian-11078887-p2.html
3 https://www.umweltbundesamt.de/themen/dicke-luft-jahreswechsel
4 https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/produkte/industrie/feuerwerkskorper/
5 http://www.taz.de/Kinderarbeit-und-toedliche-Unfaelle/!5104244/
6 Beispiele: https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_84069128/mexiko-explosionen-in-feuerwerksfabrik-24-tote-dutzende-verletzte.html; https://www.hna.de/welt/explosion-in-feuerwerksfabrik-in-spanien-eine-tote-30-verletzte-darunter-viele-kinder-zr-9894830.html; https://www.tag24.de/nachrichten/tangerang-jakarta-indonesien-brand-in-feuerwerksfabrik-mindestens-47-tote-362313; https://www.focus.de/panorama/welt/explosionen-12-tote-und-33-verletzte-bei-explosion-in-feuerwerksfabrik-in-china_id_4152960.html
7 http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=19400

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