Nachhaltig Leben – Teil 2

0
35

Nachhaltig Leben – Teil 2

Kommen wir zum zweiten Teil meiner dreiteiligen Artikel-Reihe zum Thema „nachhaltig Leben“, in welchen ich Ideen und Anstöße zu einem umweltfreundlicheren und natürlicherem Lebensstil mit euch teilen möchte.
Der erste Teil drehte sich um grundsätzliche Ideen und Anstöße, sowie Nachhaltigkeit im Bad und bei der Hygiene.
In diesem zweiten Teil geht es um Nachhaltigkeit bei der Reinigung, in der Küche, beim Einkauf und bei der Ernährung.
Und im dritten Teil gehe ich auf Haustiere, Textilien und Möbel ein.

REINIGUNG:

Reinigung und Putzmittel:
• umweltfreundliche „Grundreinigungsmittel“ sind Natron, Zitronensäure (Pulver), Wasch-Soda/reine Soda, (schwarze) Seife, Schmierseife, EMs, Essig, hochprozentiger Alkohol, Zitronensaft, ätherische Öle, Kastanien und Efeu
• Reinigungsmittel richtig dosieren: oft nimmt man viel zu viel und könnte eine Menge einsparen
• Waschmaschine: selbstgemischte Mittel aus z.B. Natron, Wasch-Soda, Seife und ätherischem Öl; aber auch Efeu und Kastanien eignen sich dank ihrer Saponine sehr gut zum reinigen; umweltfreundliches Pulver im Pappkarton oder selber abfüllen z.B. in einem Unverpacktladen / Abfüllstation
• Essig als Weichspüler
• mit niedrigen Temperaturen waschen
• Wäschekorb aus Weide, Holzwäscheklammern
• Spülmaschine: Mischung z.B. aus Natron, Zitronensäure und Essig; umweltfreundliche Spülmaschinen-Tabs in auflösbarer Zellulosefolie; umweltfreundliches Pulver in Karton oder selber abfüllen z.B. in einem Unverpacktladen / Abfüllstation
• Spüle: Alkohol, Essig, (schwarze) Seife, Mischung aus: Natron, Zitronensäure und Essig
• Luffa-Schwamm; kompostierbare Schwammtücher und Lappen aus Naturstoffen oder recycelten Materialien; gehäkelte Lappen und Tücher z.B. aus Paketschnur; alte T-Shirts, etc. zu Putzlappen umfunktionieren; Kupferschwamm; Holzbürsten mit Wechselkopf und Naturfasern (z.B. Agavenborsten, Kokosfasern, Sisal)
• Toilette: z.B. selbstgemachte Taps aus Zitronensäure, Natron und ätherischen Ölen
• Besen und Handfeger aus Holz und Naturborsten, Kehrblech
• Putzeimer aus Edelstahl
• Mehrweg Putzhandschuhe aus Naturkautschuk
• Mülleimer aus Holz, Blech/Edelstahl, Weide, ein alter Karton (je nach Bedarf); Mülltüten aus Recyclingmaterial, selbstgefaltet aus alten Zeitungen, wiederverwendete Papiersäcke, aber auch die Tüte von Klopapierrollen eignet sich sehr gut oder ganz auf eine Mülltüte verzichten

KÜCHE UND EINKAUF:

Küche:
• Brettchen und Kochlöffel aus Holz
• Schüsseln aus Edelstahl, Keramik, Glas, Holz oder eine Kokosnussschale
• allgemeine Küchelhelfer (z.B. Reiben, Zangen, Salatbesteck, Sieb etc.) aus Edelstahl, Bambus und Holz
• Behälter und Gefäße aus Keramik, Ton, Glas oder Edelstahl zur Lebensmittelaufbewahrung (und zum einfrieren)
• Edelstahl- Holz- oder Glasbehältnisse fürs Lunchpaket
• (Back-)formen aus unbeschichtetem Metall, Glas oder Porzellan
• Gußeiserne Pfannen
• ungebleichtes, chemiefreies Backpapier
• Keramikbecher für den Coffee-to-go
• wiederbefüllbare Glas- oder Metallflasche für kalte Getränke (für unterwegs)
• Bienenwachs-Tücher
• French-Press (aus Edelstahl oder Glas) oder Kaffee-Kännchen für den Herd; wiederbefüllbare Edelstahl-Kapsel für Kapselmaschine
• Teekanne (aus Keramik, Glas oder Edelstahl) mit Sieb für losen Tee statt Teebeutel (so kann man sich seinen Tee aus (selbstgesammelten) Kräutern und Früchten, ganz nach den eigenen Bedürfnissen, zusammenstellen und spart eine Menge Müll)
• Zahnstocher aus Holz
• Spiesse aus Holz oder Edelstahl
• Strohhalm: aus Edelstahl, Glas (Reiniger nicht vergessen), Papier oder eine lange hohle Nudel (oder am besten ganz darauf verzichten)
• Flaschenbürste aus Holz oder Edelstahl
• Gummiringe (z.B. für Einweck-Gläser) aus Naturkautschuk
• unnötige „Küchengadgets“ (aus Plastik) vermeiden
• Einweg-Besteck und Teller vermeiden, stattdessen spülbares Besteck nutzen; wenn es aber unbedingt Einweg-Besteck sein muss, gibt es Alternativen z.B. aus Pappe, Zuckerrohr, Palmblatt oder Holz; mittlerweile gibt es sogar essbare Alternativen z.B. aus Weizenkleie

Beim Einkauf:
• biologisch, regional & saisonal einkaufen (ein Saisonkalender erleichtert die Übersicht)
• direkt beim Erzeuger (Bauer, Winzer, Imker,…) einkaufen (z.B. auf Märkten oder im Hofladen)
• Bio-Läden (oder Bio-Lieferservice), Selbstvermarkter-Märkte und Unverpacktläden unterstützen
• fairen Handel unterstützen (sowie Konsum von ausländischen Lebensmitteln reduzieren)
• zum Einkauf einen Korb (z.B. aus Weide) und/oder (Baumwoll- o. Jute-)Taschen mitnehmen, sowie kleine Säckchen (ggf. umgenäht aus alten Gardienen) für lose Lebensmittel (wie Obst, Gemüse, Nüsse, Brot und Brötchen)
• unverarbeitete Lebensmittel kaufen und Mahlzeiten frisch zubereiten (ggf. mehr kochen und haltbar machen)
• plastikfrei / verpackungsfrei (low / zero waste; z.B. im Unverpacktladen oder direkt beim Erzeuger) einkaufen (bei trockenen Lebensmitteln (Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte,…) ist es sinnvoll Großpackungen in Papiersäcken zu kaufen, die Papiersäcke können dann z.B. als Müllsack weiterverwendet (oder kompostiert) werden); keine Einweg-Verpackungen kaufen
• Glas- und Papierverpackungen anstatt Aluminium und Plastik (Gläser können z.B. zur Aufbewahrung von trockenen Lebensmittel oder zum einfrieren weitergenutzt werden; Papierverpackungen (je nach Größe) als Mülltüte)
• Getränke in Mehrweg-Glasflaschen kaufen (bei guter Wasserqualität Leitungswasser trinken und ggf. Wasseraufbereiter nutzen); Säfte selber pressen oder direkt beim Erzeuger kaufen
• nur so viel einkaufen, wie man wirklich verwendet » Einkaufslisten helfen bei der Planung = dies führt zu weniger weggeworfenen Lebensmitteln und vermindert Spontankäufe von unnötigen Dingen/Lebensmitteln
• zum Bäcker (nicht zu einer Bäckereikette) einen Stoffbeutel für lose Backwaren mitnehmen; für Kuchen kann man einen Teller oder eine Kuchenplatte (mit Deckel) mitnehmen
• an der Frischetheke: eigenes Behältnisse mitnehmen

ERNÄHRUNG, GESUNDHEIT UND LEBENSMITTEL-ANBAU:

Ernährung & Gesundheit:
• Lebensmittel selbst anbauen und Überschüssiges mit anderen teilen / tauschen (siehe Punkt „Lebensmittelanbau“)
• Lebensmittel vor der Vernichtung retten („containern“); Tauschbörsen nutzen
• Lebensmittel richtig lagern und Überschüssiges haltbar machen (einfrieren / einmachen / trocknen)
• größere Mengen (z.B. bei Eintöpfen) kochen und Reste einmachen / haltbar machen (wenn es mal schnell gehen muss, hat man dann ein leckeres und gesundes „fast Food“)
• „Fast-food“ und „Essen/Trinken to go“ gehen meist mit viel Verpackungsmüll einher, lieber ein bisschen Zeit mehr einplanen und gemütlich essen gehen oder sich zu Hause etwas vorbereiten und es mitnehmen (bzw. direkt zu Hause essen, um nicht hungrig aus dem Haus zu gehen). Wenn es doch mal sein muss: auf überflüssiges Verpackungsmaterial wie Plastikdeckel und Strohhalm verzichten.
• zur Arbeit: Essen und Snacks mitnehmen
• Verzicht auf tierische Erzeugnisse (mit wahrscheinlich nichts anderem kann man mehr Fliegen mit einer Klappe schlagen):
> Leid und Qual beenden: Alleine in Deutschland werden jährlich sage und schreibe etwa
750 Millionen Tiere geschlachtet (in der offiziellen Statistik sind Fische und Kaninchen
nicht enthalten) (2016)!1 Auf diese Zahl kommen noch etliche weitere Tiere, welche
der Qual in einer der Mastanlagen, vor der Schlachtung, erlegen sind. Und wie man
sät, so erntet man.
> Anbaufläche und Lebensmittel sinnvoll nutzen: Die gigantische Anzahl an „Masttieren“
möchte natürlich auch ernährt werden, eine Milchkuh zum Beispiel frisst täglich etwa
20-30 Kilo Trockenmasse, während der Laktation auch mehr. So verschlingt die
Massentierhaltung eine enorme Menge an Fläche für Tierfutter (u.a.
Regenwaldabholzung für Sojaplantagen), auf welchen stattdessen Lebensmittel für
Menschen angebaut werden könnten (so würde sich zudem die Anbaufläche
automatisch reduzieren und die Natur hätte wieder mehr Platz, um sich zu erholen und
zu verbreiten)
> Trinkwasser sparen: Als Beispiel wieder eine Milchkuh, diese trinkt täglich zwischen 60
und 120 Liter Wasser (je nach Futter), mit der gleichen Menge könnten (bei 3 Litern
Wasser täglich) 20 bis 40 Menschen ihren Durst löschen.
• (Trink-)Wasser und Böden schützen: Wo es viele Tiere gibt, fällt auch viel Mist an. In
Deutschland werden jährlich etwa 200 Millionen Tonnen Gülle auf Felder, Wiesen und
Äcker ausgefahren, so kommen wir in der EU auf die zweithöchste Nitratkonzentration
im Wasser. Auch Rückstände von Tierarzneimitteln kommen somit in die Böden und ins
Wasser.2
> Tierarzneimittel-Rückstände verhindern: übermäßiger Tierarzneimittelgebrauch und
deren Rückstände, in unseren Böden, Gewässern und auch in uns, könnten vermieden
werden. Auch die Entstehung von Multiresistenten Keimen könnte verringert werden.
> Krankheiten eindämmen: ein übermäßiger Fleischkonsum macht krank, das weiß
mittlerweile eigentlich jeder. Viele Erkrankungen könnten durch einen (stark)
reduzierten Konsum, bzw. durch Verzicht auf tierische Produkte verhindert werden und
somit auch die Einnahme diverser Medikamente. Auf diese Weise würde die gesamte
Menge an Medikamenten-Rückständen in unserer Umwelt (und auch in uns) enorm
zurück gehen.
• eine gesunde Ernährung mit frischen und unbehandelten pflanzlichen Lebensmitteln ist die beste Gesundheitsprophylaxe
• bei Erkrankungen bietet uns die Natur eine Vielzahl an Pflanzen dessen Wirkstoffe uns bei der Genesung unterstützen können (auch sollte immer die Psyche mit in Betracht gezogen werden); bei Kopfschmerzen und Übelkeit muss es nicht gleich immer eine Tablette sein.

Lebensmittelanbau im Einklang mit der Natur (sinnvolle Nutzung von Garten und Balkon):
• biologisches / unverändertes / altes Saatgut für den Anbau nutzen und mit anderen teilen / tauschen (Saatguttauschbörse)
• Pflanzenkübel und das vertikale Gärtnern eignen sich gut für den Anbau (z.B. von Kräutern, Gemüse und Säulenobst) auf dem Balkon und bei wenig Platz » wenn man Erde kaufen muss: auf torffreie Erde zurückgreifen oder einen Wurmkomposter einrichten
• je nach vorhandener Platzgröße sind der Phantasie im Anbau keine Grenzen gesetzt: Hülsenfrüchte, Obst, Beeren, Nüsse, Gemüse, Kräuter, Heilpflanzen, Pilze, ja, sogar Getreide, der ganze Garten könnte aus nutzbaren Pflanzen (sowohl für uns, als auch für kleine und größere Tiere) bestehen
• Anbau im Einklang mit der Natur mit Hilfe von Permakultur, biologischem Anbau, Mischkultur und sinnvoll durchdachter Fruchtfolge
• Pilze können mit wenig Aufwand im Haus gezogen werden, mit etwas mehr Aufwand kann man sie auch im Garten züchten
• Dünger und Erde selber herstellen mittels Kompost, Wurmfarm und/oder Bokashi-Eimer, sowie Pflanzenjauche
• Früchte, Kräuter, Beeren und Pilze in der Natur sammeln (Merke: „Einen guten Sammler sieht man nicht!“ Und nur sammeln, was man 100%ig identifizieren kann)
• überschüssige Ernte mit anderen teilen / tauschen und/oder haltbar machen (einmachen, trocknen, einfrieren) und dann teilen / tauschen » eigenes Saatgut ernten (und teilen / tauschen)
• Gewächshäuser und Folientunnel erhöhen den Ertrag, verlängern die Erntezeit und ermöglichen den Anbau von Wintergemüse während der kalten Jahreszeit
• Hecken aus heimischen Sträuchern und Büschen (wie z.B. Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, Wildrosen, Kornelkirsche, Heckenkirsche, Schlehe, Felsenbirne, Haselnuss, Pfaffenhütchen, Weißdorn, Wacholder, Holunder,…) pflanzen und vor dem Winter nicht zurückschneiden: einheimische Arten bieten unseren Tieren die optimale Nahrung (teilweise auch im Winter) und eine sichere Unterschlupfmöglichkeit; je mehr wir also davon pflanzen, je weniger müssen wir z.B. die Vögel zufüttern und Nisthilfen aufhängen (dies gilt auch für Insekten und andere Tiere – je größer deren natürlicher Lebensraum und vielfältiger das Angebot an Nahrung und Unterschlupf ist, desto weniger muss der Mensch „eingreifen“).
• auch an insektenfreundliche Kräuter, Blühpflanzen und Blumen (auf ungefüllte Blüten achten!) denken: diese ziehen nützliche Insekten in den Garten, welche die Gemüsepflanzen vor „Schädlingen“ schützen; gleichzeitig liefern sie wertvolle Pollen und Nektar; sinnvolle und Insektenfreundliche Kräuter, Stauden und Blumen sind zum Beispiel: Lavendel, Thymian, Schnittlauch, Borretsch, Ringelblume, Phacelia, Sonnenblume, Klee, Kornblume, Schafgarbe, Buchweizen, Glockenblume, Flockenblume, Eisenhut, Margerite,…
• unterschiedlichste alte Obstsorten anpflanzen
• kleine und große Wasserstellen (z.B. Tonschale (mit Rand) oder einen Teich) für Insekten und kleine Tiere (wie Igel, Vögel und Frösche) integrieren (darauf achten das die Tiere eine Möglichkeit haben aus dem Wasser zu kommen, wenn sie reingefallen sind (z.B. Steine, Äste, Moos))
• „Totholzhecken“ anlegen für Insekten und kleine Tiere
• Laub liegen lassen, bzw. zum mulchen nutzen: die Laubschicht hält den Boden im Winter geschützt, der Boden trocknet nicht so schnell aus und Insekten finden hier einen Unterschlupf und Nahrung
• „wilde Ecken“ im Garten entstehen lassen
• nur selten mähen: Wildblumen und -kräuter wachsen lassen
• weitere Ideen findet ihr in meinem Artikel: „Lass Deinen Garten (wieder) leben“

1 https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/schlachtzahlen-2016
2 https://www.topagrar.com/themen/guelle-10110247.html

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.