Lass Deinen Garten (wieder) leben!

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Das Artensterben geht voran, Pflanzen verschwinden, Insekten sieht man nur noch wenige und auch Vögel und kleine Säuger, wie zum Beispiel der Feldhamster, sind vom aussterben bedroht. Laut dem Bundesamt für Naturschutz (Stand 2015) sind von etwa 45% aller in Deutschland vermuteten Arten 6% ausgestorben, 30% gefährdet, 8% sind „extrem selten“, 4% stehen auf der Vorwarnliste und bei 15% sind nicht genügend Daten vorhanden.
Eine dramatische Zahl und eine Besserung ist nicht in Sicht, solange wir so weiter machen, wie bisher.
„Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt.“ (Erich Fried)

Was sind die Ursachen?
Ursachen sind vor allem unser Konsum und die damit einhergehende starke Zerstörung unserer Natur mittels massiver Bewirtschaftung von Wald (Abholzung) und Flur, der Einsatz von Chemikalien, welche unsere Luft, die Böden und die Gewässer verseuchen (z.B. Pestizide und Herbizide), Überdüngung der Wiesen und Felder, das trockenlegen von Mooren (u.a. für Torf – welches wir uns dann in Blumenkübeln vors Haus stellen), der Schwund von Wasserstellen und kleinen Sümpfen, sowie der Anbau von Monokulturen (sowohl in den Wäldern, als auch auf den Feldern). Aber auch in vielen Gärten sieht es nicht besser für unsere heimische Tierwelt aus. Immer öfter finden exotische, anstatt heimische, Pflanzen und Blumen Einzug, Wasserstellen werden rar und auch der Einsatz von diversen Giften ist keine Seltenheit. Gärten werden aufgeräumt (oder verwandeln sich komplett in Kieswüsten), es finden sich nur noch wenige wilde Ecken mit Totholz, Laub und Steinen. Unsere Tiere finden somit immer weniger Unterschlupf und Nahrung. So wird im Kleinen und Großen dazu beigetragen das unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt keinen Platz mehr findet und nach und nach schwindet.
„Die Erde hat genug für die Bedürfnisse eines jeden Menschen, aber nicht für die Gier eines einzigen.“ (Mahatma Gandhi)

Was wir jetzt tun können:
Vor allem sollten wir anfangen unser Konsumverhalten zu überdenken und es zu ändern. Wieder hin zu regional, saisional, biologisch (also so ganz normal, ganz ohne Gifte!) und nachhaltig. Verzichten, auf das, was wir nicht wirklich benötigen und auf das, was uns krank macht. Wenn jeder etwas tut, dann haben wir schon viel gewonnen! Aber in diesem Artikel soll es vor allem darum gehen, wie wir in unseren Gärten und um uns herum etwas verändern können, damit unsere Natur wieder Platz findet und gesundet.

• Heimische Pflanzen anpflanzen: Pflanzen wir wieder heimische Bäume, Sträucher, Blumen und Kräuter. Diese bieten nicht nur unserer Tierwelt Unterschlupfmöglichkeiten und Nahrung, sondern auch wir Menschen können die Früchte, Nüsse und Heilkräfte der Kräuter nutzen (aber nicht ausnutzen!).
Zu unseren heimischen Pflanzen gehören zum Beispiel: Eberesche, Birke, Eiche, Buche, Haselnuss, Walnuss, Kornelkirsche, Felsenbirne, Schlehe, Sanddorn, Berberitze, gemeiner Wacholder, Weißdorn, Holunder, Obstbäume (wie Apfel, Kirsche oder Birne) wilder Wein, wilde Rosen, Schneeball, Pfaffenhütchen, Brombeere, Himbeere, (Wald-)erdbeere, Kornblumen, Taubnessel, Schafgarbe, Mohn, Kamille, Magerite, Löwenzahn, Rotklee, Gänseblümchen,…

• Kauf von biologischem Saatgut: Beim Kauf von Pflanzen und Saatgut sollte man auf die Herkunft achten und am besten auf jene von großen Konzernen (die drei größten Saatgutproduzenten sind: Monsanto, DuPont, Syngenta), verzichten. Hierbei sollte beachtet werden, das die Konzerne meist über kleinere (oder größere) Unternehmen ihr Saatgut verkaufen. Das gilt auch für gezogene Pflänzchen aus manchen Gärtnereien. Wo kommen diese her? Woher stammte das ursprüngliche Saatgut? Scheuen Sie sich nicht zu fragen. Auch der Vergleich mit Pflanzen und Saatgut von Bio- und Demeterproduzenten (z.B. Bingenheimer-Saatgut, Aries, Dreschflegel-Saatgut oder Culinaris Saatgut) lohnt sich. Nicht selten kosten diese Pflanzen nicht viel mehr und das schöne ist, man kann selber wieder neues Saatgut gewinnen. Was z.B. bei F1 Züchtungen nicht der Fall ist. Bei diesen muss man jedes Jahr neues Saatgut kaufen. Nachhaltigkeit ist von den großen Konzernen nicht gewünscht – sondern Konsum, und das auch bei Saatgut und Pflanzen. Alte und ursprüngliche Sorten überzeugen zudem mit ihren Nährstoffgehalt und nicht nur mit Masse und einheitlichem Aussehen.

• „Wilde Ecken“ erschaffen: Unsere Gärten sind immer aufgeräumter und sollen „ordentlich“ aussehen. Laub wird entfernt (dieses stellt normalerweise einen natürlichen Schutz für den Boden dar, bildet organischen Dünger und bietet Insekten Unterschlupf und ein zu Hause), Büsche und Sträucher werden radikal kurz geschnitten und die Wiesen werden abgeschoren, sodass kein Blümchen die Chance bekommt zu blühen und Nektar, sowie Pollen zu schenken, von welchen die Insekten leben können. Lassen wir doch unsere Pflanzen und Blumen mal wild wachsen und gedeihen, sodass sie blühen können und unserer Tierwelt zur Verfügung stehen. Sie werden überrascht sein, welch interessante Pflanzen sich so von selber ansiedeln! Lassen wir das Laub liegen, so benötigt man weniger Wasser und liefert den Pflanzen gleichzeitig organischen Dünger. Schichten wir abgeschnittene Äste und Zweige zu einer Totholzhecke auf, anstatt sie auf den Kompost oder gar in die braune Tonne zu werfen, so haben kleine Tiere und Insekten nicht nur ein zu Hause und Nahrung, sondern können uns gleichzeitig auch in unseren Gärten helfen ein natürliches Gleichgewicht zu halten.

• Wasserstellen einrichten: Richten wir, je nachdem, wie viel Platz wir haben, kleine und größere Wasserstellen ein. An diesen können Tiere nicht nur ihren Durst löschen und ein Bad nehmen. Frösche, Kröten und Echsen finden im und am Wasser die Möglichkeit zu leben und sich weiter zu vermehren, soweit er naturnah angelegt ist. Die Wasserstelle sollte so gestaltet sein, das Tiere die hineingelangen auch ohne große Anstrengung wieder hinaus kommen. Bei großen und hohen Wasserstellen (z.B. unabgedeckten Regentonnen) ist es empfehlenswert einen großen und dicken Ast hineinzustellen, welcher aus der Tonne ragt. So können z.B. Eichhörnchen, welche in die Tonne gefallen sind, wieder hinausklettern. In kleinen Wasserstellen für Insekten sollte auf Murmeln und Glasperlen verzichtet werden. Diese können sich in der Sonne nicht nur enorm aufheizen, sondern sind auch meist so glatt, das sich Insekten nur schwer darauf halten können und viel Kraft aufwenden müssen, um nicht abzurutschen. Besser eignen sich Steine, Muscheln, Moos und kleine Äste. 

• Futterstellen einrichten: Durch den Mangel an Blüten und Unterschlupfmöglichkeiten finden immer weniger Insekten Nahrung und einen Platz Eier abzulegen und sich somit zu vermehren. Dies wiederrum hat großen Einfluss auf Vögel, Frösche und Igel, welche sich von den Insekten und Schnecken ernähren. Somit ist es vor allem wichtig Insektenfreundliche, also nektar- und pollenreiche, Pflanzen anzupflanzen. Im Handel erhältlich sind sogenannte „Nützlingswiesen“ oder „Insektenwiesen“, welche gemischtes Saatgut aus heimischen Wildblumen und -kräutern beinhalten. Ein Blühstreifen sieht nicht nur wunderschön aus, er wird auch jede Menge Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten anlocken. Das schöne an solchen Mischungen ist, das die Blumen nach dem abblühen ihre Samen verstreuen und die Wiese im nächsten Jahr noch üppiger wächst. Mit einem wachsamen Auge kann man aber auch den Zeitpunkt abpassen, wann das Saatgut bereit zur Ernte ist und es dann sicher für das nächste Jahr verwahren. Saatgut aus dem eigenen Garten ist zudem ein tolles und sinnvolles Geschenk für Gartenfreunde! Für Vögel können zusätzlich Futterstellen mit Mehlwürmern, Heimchen und Körnern angeboten werden, für Igel kann Katzenfutter aufgestellt werden – aber bitte keine Milch! 

• Nisthilfen einrichten: Recht bekannt und fast überall erhältlich, sind mittlerweile die sognannten „Insektenhotels“. Nur leider sind die im Handel erhältlichen Insektenhotels oft nur wenig nützlich für unsere Nützlinge. Scharfe Kanten, Splitter oder nutzloses Füllmaterial lässt so einige Hotels meist unbewohnt. Dennoch können auch diese, mit ein wenig geschickt, zu sinnvollen und brauchbaren Hotels umgebastelt werden. Im Internet findet man mittlerweile eine Menge Anleitungen dazu. Wer nur wenig handwerkliches Geschick besitzt, kann es sich auch ganz einfach machen: Stöcke, Äste und Steine können in einer Ecke im Garten aufgeschichtet werden zu einer sogenannten „Totholzecke“ (oder wer mehr Platz hat und noch keinen Zaun, der kann auch eine sogenannte „Totholzhecke“ gestalten). Um die Ecke herum lässt man vielleicht noch ein paar Pflanzen wild wachsen und schon hat man ein kleines Reich für die unterschiedlichsten Insekten und Kleinsäuger. Für Vögel und Fledermäuse gibt es zudem auch einige (Marder- und Katzensichere!) Nisthilfen (aus Stein) zu kaufen. Diese werden, wenn richtig positioniert, meist gerne angenommen. Beachten Sie (besonders bei Nisthilfen für Insekten), das es nichts bringt diese aufzuhängen, wenn es kein Futterangebot gibt. Tiere brauchen nicht nur einen Unterschlupft, sondern auch Futter und Wasser. Heimische Sträucher und Bäume bieten den Tieren beides: ein sicheres Heim und Nahrung. Eine tolle und pflegeleichte Möglichkeit sind Hecken aus unterschiedlichen heimischen Sträuchern. Davon können nicht nur die Tiere naschen, auch wir Menschen können die leckeren Früchte gleich pur vom Strauch oder verarbeitet als Marmelade genießen. Hierbei sind besonders diverse Beerenbüsche (Johannisbeere, Himbeere, Brombeere, Blaubeere), sowie Haselnuss, Schlehe, Kornelkirsche, Felsenbirne oder wilde Rosen zu nennen. Beachten Sie hierbei die unterschiedlichen Bodenansprüche der einzelnen Pflanzen, damit Sie gut gedeihen können.

• Steingarten statt Kieselwüste: Ein neuer Trend, welcher sich langsam, wie ein grauer Schleier, über Deutschland legt, macht sich breit. Die Kieselgärten! Wo einst sattes Grün und bunte Blumen mit der Sonne um die Wette strahlten, prägt heute immer mehr Kies das Vorstädter-Bild. Grade jetzt, wo es so wichtig ist, der Natur wieder mehr Platz zu geben. Wer Steine gerne mag und diese im Garten integrieren möchte, für jene bieten sich sogenannte „Steingärten“ herrvoragend an. Kleinere und größere Steine, kombiniert mit Sträuchern, Blumen und gegebenenfalls Wasserstellen sind eine tolle Sache, welche besonders Eidechsen und Schlangen anzieht. Diese können sich auf den Steinen sonnen, unter den Sträuchern verstecken und eine Abkühlung am Wasser genießen. Ein reiner Kieselgarten hingegen – evtl. gespickt mit ein, zwei Buchsbäumen, bieten unserer Tierwelt weder Heim, noch Schutz, noch Nahrung.

• Nützlinge statt Schadstoffe: Jeder wird in seinem Garten irgendwann mal mit sogenannten „Schädlingen“ konfrontiert, welche sich über die geliebten Pflanzen hermachen. Doch aus den nimmersatten Raupen werden einmal wunderschöne Schmetterlinge, die schleimigen Schnecken ernähren Frösche, Igel und auch einige Vögel lassen sie sich schmecken und Läuse werden nur allzu gerne von Marienkäfer- und Florfliegenlarven vertilgt. Wer gleich die Chemiekeule auspackt wird nicht in den Augenschmaus von bunten Schmetterlingen, lustigen Marienkäfern und niedlichen Igeln kommen – denn diese werden entweder – mangels Futterangebot – erst gar nicht erscheinen oder durch die vergifteten Schnecken und Insekten ebenfalls elendig sterben. Aus dieser Perspektive betrachtet gibt es also auch gar keine „Schädlinge“, sondern nur Leben, welches einander nutzt. Ein naturnaher Garten lockt also Tiere an, welche das Ökosystem im Gleichgewicht halten. Nur durch das menschliche Eingreifen in dieses empfindliche System gerät es mehr und mehr ins Wanken – das Ergebnis können wir uns heute im Großen ansehen. Verzichten Sie also, der Umwelt und den Tieren zu liebe, auf Insektizide, Pestizide und auch auf Kunstdünger, welcher den Mikroorganismen im Boden schadet. Verwenden Sie stattdessen natürliche Düngemittel wie z.B. Pflanzenjauche (aus Brennnessel, Ackerschachtelhalm oder Beinwell), Kompost, Kaffeesatz oder effektive Mikroorganismen (EMs). Frischen Kompost und Flüssigdünger kann man heute auch auf kleinstem Platz produzieren. Vom Gartenkompost, über Wurmfarmen, bishin zum kleinen Bokashi-Eimer ist heute für jeden etwas dabei. So können Essensreste und -Abschnitte gleich in wertvolle Nahrung für die Pflanzen umgewandelt werden.

Und nun, ab in den Garten – lasst uns anfangen und kleine Paradiese für uns, die Tiere und die Natur erschaffen! Lasst uns jedes Geschöpf und sei es noch so klein, schützen und achten. Lasst uns wieder eins werden und die Verbindung zueinander erfahren und spüren. Denn wir sind alle von einander abhängig, alles ist verbunden – alles ist verflochten.

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will!“ (Albert Schweitzer)

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