Gebt das Hanf frei!

0
120

Hanf und seine vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten:
Hanf ist eine der ältesten und vielseitigsten Nutzpflanzen unseres Planeten (erste Spuren der Nutzung wurden in Asien gefunden und auf 10.000 v. Chr. datiert) und erfährt zurecht einen neuen Aufschwung. Hanf ist nicht nur relativ einfach anzubauen, sondern trägt zudem zur Gesundung des Bodes bei, wächst schnell und ist dabei auch noch überaus ertragreich (besonders was seinen Fasergehalt angeht). Zu den Vorteilen im Anbau bietet Hanf eine unglaublich große Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten: als gesundes Lebensmittel, lindernde und heilende Medizin, wiederstandfähiger Rohstoff für Textilien, Verpackungen und Papier sowie als Baustoff und Bio-Kraftstoff. In diesem Artikel geht es vorrangig um den nicht psychoaktiven Nutzhanf (Cannabis sativa). Psychoaktive Cannabissorten gehören vor allem der Art Cannabis indica an, welche allerdings auch als Heilpflanze (Arzneipflanze) eine gute Figur macht und Verwendung findet.

Pflegeleichter Hanfanbau:
Nutzhanf (Cannabis sativa) ist relativ anspruchslos im Anbau, er wächst auf fast jedem Boden und lockert diesen mit seinem starken Wurzelsystem. Da er recht unempfindlich kalten Temperaturen gegenüber ist (er kann Fröste bis -5 Grad überstehen) und schon bei niedrigen Temperaturen keimt, kann er schon früh gesät werden. Zum wachsen bevorzugt er dennoch warme Temperaturen. Unter günstigen Bedingungen wächst Hanf sehr schnell und kann schon nach 4 Monaten geerntet werden, was einen erneute Ausaat und zweite Ernte im Jahr ermöglicht. Durch seine bodenverbessernden und entgiftenden Eigenschaften trägt er zur Gesundung kontaminierter und ausgelaugter Böden bei (Hanf zieht unter anderem Gifte wie z.B. Kadmium aus dem Boden) und wirkt sich daher positiv in der Mischkultur und auf die Fruchtfolge aus. Durch seine natürliche Resistenz (auf welche der THC-Gehalt Einfluss hat) Krankheiten gegenüber und unkrautunterdrückenden Eigenschaften ist der Einsatz von „Pflanzenschutzmitteln“ und Unkrautvernichter nicht notwendig, auch der Bedarf an Dünger ist gering. Somit schont der Hanfanbau nicht nur die Umwelt sondern trägt auch noch zu einem gesunden Ökosystem bei. Zudem liefert Hanf im Vergleich zu Bäumen einen höheren Ertrag an Faserstoff (hoher Fasergehalt von 30-40%) auf kleiner Fläche und verbraucht im Vergleich zu Baumwolle erheblich weniger Wasser: für 1 kg Baumwolle werden etwa 20.000 Liter Wasser benötigt, für 1 kg Nutzhanf hingegen „nur“ 300-500 Liter. 

Der Anbau von Nutzhanf ist in Deutschland nur Landwirten unter Auflagen erlaubt. Unter anderem dürfen nur von der EU zerstifizierte und zugelassene Sorten angebaut werden (diese finden sich im „EU-Sortenkatalog“), die einen THC-Gehalt von weniger als 0,2% aufweisen (2016 waren es 42 verschiedene Sorten). Der Anbau von selbst gewonnenem Saatgut ist verboten.

Hanf als gesundes und nährstoffreiches Lebensmittel:
Hanfsamen, Hanföl, Hanfblüten- und -blätter-Tee, Hanfmehl und Proteinpulver… Hanf ist nicht nur ein äußerst vielseitiges Lebensmittel sondern auch noch sehr gesund und nährstoffreich. So liefert er jede Menge Eiweiß (20-25%) und enthält alle für den Menschen essentielle Aminosäuren. Hanf ist reich an ungesättigten Fettsäuren (unter anderem GLA), die Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren stehen in einem optimalen Verhältnis zueinander. Zudem liefert er große Mengen Chlorophyll, Beta-Carotin, Antioxidantien, Vitamine (Vitamin E und B-Vitamine (besonders Vit. B2)) sowie Mineralstoffe (wie Calcium, Eisen, Natrium, Mangan, Magnesium und Zink). Diese Eigenschaften machen Hanf zu einem eigentlich unverzichtbaren Bestandteil in der Ernährung. Hanfprodute werden aus Nutzhanf hergestellt und sind nicht psychoaktiv (der THC-Gehalt beträgt weniger als 0,2%).

Cannabis als Medizin:
Die erste schriftiliche Erwähnung von Cannabis als Arzneimittel wurde ca. 2.300 Jahre vor Christus verfasst. Seine antipsychotischen, angstlösenden, entkrampfenden, entspannenden, entzündungshemmenden, neuroprotektiven und antibakteriellen Eigenschaften machten Cannabis schon damals zu einer beliebten und vielfältig eingesetzen Heilpflanze. Auch heute wird Hanf zum Beispiel bei verschiedenen Formen der Epilepsie, bei Spastiken (z.B. bei MS), Anorexie, Übelkeit, Schmerzzuständen und Schlafstörungen eingesetzt. Die Wirkung auf Schizophrenie-Patienten wird derzeit erforscht. Für die therapeutische Wirkung sind vor allem Phyto-Cannabinoide (die bekanntesten sind Delta-9-Tertrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD)), aber auch Falvonoide, Terpene und Terpenoide verantwortlich . Alle Wirkstoffe der Hanfpflanze wirken für sich, aber am besten wirken sie im Zusammenspiel (auch unerwünschten Nebenwirkungen entgegen) – so wirkt zum Beispiel CBD der psychoaktiven Wirkung von THC entgegen.

Die Einsatzgebiete von Cannabis in der Medizin sind je nach Land unterschiedlich und unterliegen verschiedenen Bestimmungen.

Aber nicht nur innerlich (z.B. in Form von CBD-Öl), sondern auch äußerlich können Cremes und Salben mit Hanfextrakten zur Linderung und Gesundung bei Hautirritationen und -erkrankungen wie z.B. Neurodermitis beitragen. Mehr dazu unter „Regenerierende und pflegende Körperpflege mit Hanf“.

Regenerierende und pflegende Körperpflege mit Hanf:
Die im perfekten Verhältnis stehenden ungesättigten Fettsäuren des Hanföls machen es nicht nur zu einem äußerst gesunden Lebensmittel, sondern auch zu einem pflegenden und unterstützenden Öl für Haut und Haar. So weist es neben Alpha-Linolsäure und Linolsäure auch die seltene Gamma-Linolsäure auf, welche besonders in der Behandlung von Neurodermitis eine wichtige Rolle spielt. Die Fettsäuren binden Wasser in den Zellen, schützen so vor Feuchtigkeitsverlust und verhindern damit das Austrocknen der Haut. Neben den Fettsäuren wirken sich auch das enthaltene Beta-Carotin und Vitamin E positiv auf die Hautgesundheit und -erneuerung aus. Vitamin E gehört zu den Antioxidantien, welche unseren Körper vor freien Radikalen schützen, es fördert den Aufbau von Kollagen und wirkt entzündungshemmend. Das aus dem Beta-Carotin gewonnene Vitamin A regt im Körper die Neubildung von Zellen an und schützt die Haut vor UV-Strahlen. So trägt Hanföl als Hautpflegemittel zur Gesunderhaltung, Schutz und Regeneration bei.

Hanf für langlebige und widerstandsfähige Textilien:
Kleidung, Schuhe, Decken, Segeltücher, Schiffstaue,… die Einsatzmöglichkeit von Hanf als Stoff und Faser ist unglaublich groß. Die hohe Reißfestigkeit und Feuchtigkeitsaufnahme (etwa 30% des Eigengewichtes), sowie antibakteriellen und hautfreundlichen Eigenschaften machten Hanf über tausende von Jahren zu einem der meistgenutzen Rohstoffe für Textilien weltweit. Schon 2.800 v. Chr. stellten Menschen im alten China Textilien aus Hanffasern her. Später räumten die hohe Reißfestigkeit und Feuchtigkeitsaufnahme den Hanffasern einen wichtigen Platz in der Schifffahrt (Segeltaue und Seile) ein. Heute werden die Fasern noch gerne als Baumaterial genutzt (mehr dazu siehe unter „robuste Bau- und Dämmstoffe aus Hanf“) oder auch als Textil für Bekleidung erfreut sich Hanf wieder steigender Beliebtheit. Und das zurecht! Seine hautfreundlichen, antibakteriellen (geruchsneutralisierenden) und Feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften machen ihn zu einem optimalen Rohstoff für Bekleidung. Einst ein grober, ungemütlicher Stoff für robuste Ober- und Arbeitskleidung, werden Hanffasern heute in wesentlich feinerer Form gesponnen und zu gemütlichen Shirts, Hosen und Jäckchen verarbeitet. Die Nachfrage steigt und somit auch das Angebot und die Weiterentwicklung im Bereich Verarbeitung.

Aber nicht nur die oben aufgeführten positiven Eigenschaften machen Hanf zu einem wertvollen Rohstoff, auch die Vorteile gegenüber Baumwolle sollten nicht unerwähnt bleiben! Immerhin ist Baumwolle, neben Kunststofffasern, der heute am meisten genutzte Rohstoff für Kleidung und Stoffe. Im Gegensatz zu Bauwolle ist Hanf allerdings wesentlich ergiebiger und weitaus umweltfreundlicher im Anbau: In einem Jahr kann von einem Hektar Land mit Nutzhanf (Faserhanf) etwa dieselbe Menge an Fasern gewonnen werden wie von 2-3 Hektar mit Baumwolle. Und das ohne den Einsatz von „Pflanzenschutzmitteln“ und Gentechnik, wie sie zuhauf im Bauwollanbau eingesetzt werden (etwa 70% der weltweit konventionell angebauten Baumwolle ist genmanipuliert!). Auch der Wasserverbrauch ist geringer, so werden für einen Kilo Baumwolle etwa 20.000 Liter Wasser benötigt, für einen Kilo Nutzhanf hingegen „nur“ 300-500 Liter.

Umweltfreundliches Papier aus Hanf:
Eine weitere Nutzungsmöglichkeit von Hanffasern stellt Papier dar. Hanf weist, im Gegensatz zu Bäumen, nicht nur einen höheren Faserstoffgehalt auf kleiner Fläche auf (in einem Jahr lässt sich aus einem Hektar Nutzhanf dieselbe Menge Papier herstellen, wie aus 2-4 Hekar Holz), Hanfpapier lässt sich auch noch häufiger recyceln als Papier aus Holzfasern (7:3). Dies macht Hanf eigentlich zu einem idealen Rohstoff für Papier, Pappe und Verpackungsmaterialien, dennoch wird Hanfpapier derzeit fast ausschließlich für Zigarettenpapier und Geldscheine verwendet.

Robuste Bau- und Dämmstoffe aus Hanf:
Nun hat Hanf Einzug in unsere Küche und in unser „erste Hilfe-“Schränkchen erhalten, für die tägliche Hautpflege steht ein Fläschen Hanföl im Bad und im Kleiderschrank hängen Jeans und Shirts aus Hanf. Auch beim wöchentlichen Einkauf ist das Täschchen aus Hanf gar nicht wegzudenken und zu Hause kuscheln wir uns in unsere gemütliche Hanfdecke. Und als wäre das noch nicht genug können wir auch noch in Hanf wohnen… wie, in Hanf wohnen? Ja, das geht! Vielen ist sicherlich bekannt das die Eigenschaften des Hanfs ihn zu einem perfekten Abdicht-Material von z.B.  Wasserrohren, Pumpen und Armaturen machen und auch Henry Fords berühmtes Hanf-Auto von 1941 dürfte sehr vielen bekannt sein (nicht nur die Karosserie war mit Hanf verstärkt, auch der Motor lief mit Hanf – in Form von Öl und Methanol). Weniger bekannt dagegen (aber nicht weniger interessant!) dürfte das 2019 vorgestellte erste Flugzeug aus Hanf (der Firma „Hempearth“) sein! Vor allem das geringe Gewicht, die hohe Stoßfestigkeit und schwere Entflammbarkeit machen ihn zu einem sinnvollen Rohstoff für den Karosseriebau. Aber nicht nur in diesem Bereich, sondern auch als Baumaterial im Hausbau macht Hanf eine gute Figur. Hanf ist Atmungsaktiv, reguliert Temperatur (was ihm schon lange als Dämmmaterial einen wichtigen Platz einräumt; kühlt sich selbst und speichert Wärme – Energieeinsparungen von über 50% sind nicht unüblich!) und Feuchtigkeit (beugt so Schimmelbildung vor) und ist Luftreinigend, was zu einem angenehmen und gesunden Raumklima führt. Durch seinen Anbau ist er frei von Schadstoffen (was ihn besonders interessant für Allergiker macht) und als Dämmmaterial ist er nicht nur perfekt zur Temperaturregulation geeignet, sondern eignet sich auch ideal zur Schalldämmung. Zudem ist er nicht nur leichter (Hanfbeton (Gemisch aus Hanfschäben, Wasser und Kalk) wiegt etwa ein sechstel des Gewichts von „normalem“ Beton), sondern auch wesentlich biegsamer und stärker als Beton. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Wind und Wetter dem Hanfbeton nichts ausmachen, er zerfällt nicht, sondern wird durch Witterungseinflüsse sogar noch härter und stabiler! All diese Eigenschaften machen Hanf zu einem umweltfreundlichen, rentablen und sinnvollen Baumaterial, welchem zu Recht immer mehr Beachtung zukommt!

Bio-Kraftstoff aus Hanf:
Aus Hanf können sowohl Biodiesel, als auch Ethanol hergestellt werden. Die Samen bestehen zu 30-35% aus Öl (weniger als Ölpalme und Kokosnuss, mehr als bei Raps und Sonnenblumen), woraus etwa 780 Liter (207 Gallonen) Kraftstoff pro Hektar gewonnen werden können. Die Pflanzenreste können durch Fermentation zu Ethanol verarbeitet werden. Eine weitere Möglichkeit der Kraftstoffgewinnung stellt der Prozess der Pyrolyse dar, bei diesem Verfahren können Pflanzenabfälle verwertet werden (alleine Washington produzierte 850 Mio. Kilo Cannabispflanzenabfälle in den ersten 3 Jahren der Legalisierung). Bei diesem Prozess werden unter starker Hitzeinwirkung Brennstofföle gewonnen. So kann die ganze Pflanze sinnvoll genutzt werden. Bio-Diesel aus Hanföl ist schwefelfrei (wodurch saurer Regen vermieden wird), beim Verbrennen entstehen weniger Rußgase, keine Benzole oder schädliche Aromate. Zudem ist es biologisch abbaubar und verursacht weder Grundwasser- noch Bodenschäden. Natürlich stellt Bio-Kraftstoff aus Hanf aber nicht die ultimative Alternative zu Erdöl oder anderen Bio-Kraftstoff-Planzen dar, denn auch für Hanf würden wertvolle Ackerflächen verwendet werden, welche ansonsten zum Anbau von Obst und Gemüse genutzt werden könnten. In kleinerem Stil (zum Beispiel in klein(er)en landwirtschaftlichen Betrieben) könnte es aber durchaus sinnvoll sein Bio-Kraftstoff aus Hanföl (ergänzend) zu nutzen.

Weitere Einsatzmöglichkeiten von Hanf sind u.a.:
• Verpackungsmaterialien und Kunststoffe
• Erzeugung von Farben und Lacken
• Tabakersatz (z.B. CBD-reicher Hanf)

Nun haben wir in dieser kurzen Zusammenfassung einige Einsatzmöglichkeiten und die vielen Vorzüge des Hanfs kennengelernt. Und da Nachfrage bekanntlich das Angebot erhöht, liegt es nun an uns diese zu steigern! Also lasst uns Hanfprodukte kaufen und nach Hanfalternativen fragen, sodass dieser umweltfreundliche Rohstoff wieder einer der wichtigsten dieses Planeten wird!

Quellen:

https://www.zambeza.de/blog-wie-schlagt-sich-nutzhanf-als-oko-pflanze-im-vergleich-zu-baumwolle-n133
https://www.naturstoff.de/shop/Stoffe/Hanf,-Brennnessel-&-Co/900034/f.html
https://www.biologie-seite.de/Biologie/Nutzhanf
https://hanfverband.de/node/3430
https://hanfhaus.de/geschichte-i-2.html
https://sensiseeds.com/de/blog/hanf-biokraftstoff-alternative-zu-fossilen-brennstoffen
https://www.frag-den-heimwerker.com/hanf-am-bau-ein-material-bahnt-sich-den-weg-ins-haus

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.