Die Wahrheit hinter unserer Wut

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Unsere Wut zeigt uns etwas Wesentliches: In dem Moment wo wir wütend sind, wissen wir ganz genau was wir wollen und was nicht. Was sich richtig anfühlt und was falsch. Wir können sie nutzen, um genau das heraus zu finden. Wut ist auch ein Schutzmechanismus, der dann anspringt, wenn wir uns z.B. verletzt fühlen.

Das kann verschiedene Ursachen haben: Entweder ist ein Bedürfnis von uns nicht erfüllt worden, jemand hat eine Grenze überschritten oder oder oder… wir fühlen uns eigentlich klein, verletzt und ohnmächtig. Daher reagieren wir wütend, um uns zu schützen.

Wenn wir uns die Zeit nehmen, der Wut konstruktiv Ausdruck zu verleihen, dann können wir damit Türen öffnen anstatt sie einzutreten!

Wie wir Wut kennengelernt haben

Wut ist so ein verpöntes Gefühl. Wir alle haben sie auf unterschiedliche Weise kennengelernt. Meist verletzend, zerstörend und übertrieben. Kaum einer hat als Kind gelernt, gesund mit seiner Wut umzugehen. Meist wurde sie uns sogar verboten. Wir hörten so oft Sachen wie „ach stell dich nicht so an!“, „reg dich nicht auf, das bringt doch nichts.“, „geh auf dein Zimmer bis du dich wieder beruhigt hast!“. Und dann wurden wir damit alleine gelassen.

Vermutlich kennst du auch solche oder ähnliche Situationen aus deiner eigenen Kindheit. Dort lernten wir leider oft: Wenn ich wütend bin, hat mich keiner lieb…

Ich habe als Kind meine Wut meist sehr frei ausleben können. Später allerdings begegnete mir die Wut von Erwachsenen meines Umfeldes teilweise sehr destruktiv und zerstörend. Da war ich von der Mächtigkeit dieser Energie so erschrocken, dass ich sie mir selbst verbot, weil ich SO auf gar keinen Fall sein wollte. Ich wollte niemanden verletzten.

Von Destruktivität zur Konstruktivität

Früher richtete ich die Kraft der Wut gegen mich selbst. Sie staute sich in mir an und hat doch subtil – in kleinen giftigen Bemerkungen nach Außen – gewirkt. Die ganze Zeit versuchte ich sie unter dem Deckel zu halten und lebte dabei in steter Angst, dass es auf einmal aus mir herausbrechen könnte.

Zum Glück lernte ich dann, in einem geschützten Rahmen, meinen Schmerz hinter dieser Wut auszudrücken, durchzufühlen und emotional nach zu nähren. Denn eigentlich war es eine Verletzung die ich nicht spüren wollte. Die Angst nicht geliebt zu werden, wenn ich mal „böse“ werde, hielt mich davon ab, meine Wut konstruktiv einzusetzen. Als ich dieses Kernthema meines inneren verletzten Kindes gelöst hatte, löste sich auch der Knoten in meinem Hals. Jener Knoten der verhinderte, dass ich mit meiner gesunden Wut klare Wahrheiten kommuniziere und Entscheidungen treffe.

Inzwischen bin ich sehr froh, mich mit der Kraft der Wut – des Feuers – angefreundet zu haben. Es fällt mir viel leichter zu mir zu stehen, meine Meinung zu sagen und Grenzen zu setzen. Vor allem nehme ich mich mit meinen Gefühlen selbst ernster: Ich stehe zu ihnen, statt sie zu unterdrücken.

Weshalb wir unsere Wut unterdrücken

Grade junge Menschen werden von der Gesellschaft und ihrem Freundeskreis eher darin unterstützt, ihre Wut auch weiter zu unterdrücken. Hinzu kommt die Peinlichkeit, sich mit seinen Gefühlen zu zeigen „… das ist so uncool!“. Wir schrauben das unangenehme Gefühl runter, sagen zu uns selbst: „Ach, ist doch nicht so schlimm..“, beißen die Zähne zusammen und schlucken runter, was wir eigentliche gerne erwidert hätten. Oder wir nutzen sie selbst nur destruktiv, aus Angst Schwäche zu zeigen oder aus Überforderung mit allem was auf uns einprasselt.

Also brauchen wir einen geschützten Rahmen, in dem wir diese Wut dann rauslassen können. Einen Ausdrucksraum, wo wir niemanden verletzten können und trotzdem dem Ärger in uns Luft machen. Denn andernfalls verwenden wir sehr viel Energie dafür, dieses Knäuel an verkniffenen Antworten, Flüchen und Meinungen, zu unterdrücken. Wir trauen uns kaum mehr wirklich wütend zu werden, aus Angst es bricht dann ungehalten aus uns heraus. Oder aber, wir werden immer gefühlsarmer. Depressionen, zum Beispiel, sind auch oft auf unausgedrückte Wut zurückzuführen.

Die goldene Mitte finden

Es ist nicht unbedingt notwendig, die tiefsitzenden Ursachen der Kindheit anzugehen, um die Wut situativ für sich zu nutzen. Dadurch wird sich nach und nach dein Verhältnis zu dieser Kraft wandeln. Und vielleicht zeigen sich auch die ein oder anderen wiederkehrenden Muster, die dir Aufschluss über deine Thematik dahinter geben kann.

Der Schlüssel ist, dich dem zu widmen, was hinter der Wut liegt, der Ursache. Klar könnte man sagen, Wut sei eine Reaktion auf etwas im Außen. Eine verletzende Aussage, ein blöder Kommentar, ein Stau kurz vorm Ziel, oder was Menschen noch so wütend macht. Aber im Endeffekt hat es etwas Ungeheiltes in dir getriggert und da ist sinnvoll zu hinterfragen:

Warum genau bist Du wütend?
Wurde ein Bedürfnis von dir nicht erfüllt?
Wenn ja, welches? Und was hättest Du Dir gewünscht?

Zudem macht hier besonders das Kleinvieh Mist! Also versuche in so vielen Situation wie möglich, die dir sauer aufstoßen, deine Wahrheit und dein Bedürfnis, zu erkennen. Und teile sie im Besten Falle deinem Gegenüber emphatisch mit!

Wie Feuer und Wasser

Je mehr du die Ursachen für deine Wut ergründest, desto mehr kommst du zu größerem Mitgefühl für dich selbst. Ebenso für dein Gegenüber. Du darfst dich stark UND verletzbar fühlen in deiner Wut, ohne jemanden zu verletzen, ohne zu zerstören. Stattdessen setzt du mit dem Drachen der Wut klare Grenzen und sprichst deine Wahrheit. Dabei bist du in liebevollem mitfühlenden Kontakt zu deiner Bedürftigkeit.

Meiner Erfahrung nach, reagieren die meisten Menschen sehr überrascht, aber auch verständnisvoll auf so eine offene Kommunikation. Es ist viel einfacher freundlich zu jemandem zu sein, der sich mit seiner Verletzung zeigt, als zu jemandem, der sich hinter einer Mauer verbirgt. Auch wenn die meisten Menschen sich oft nur aus ihren Schießscharten hindurch mit anderen unterhalten. Während ihre Schutzmauern aktiv sind und die wahren Empfindungen verbergen.

Ein Grund mehr es anders zu machen! Überrasche den anderen indem du deine Mauer fallen lässt!

Feuer mit Feuer zu löschen hat noch nie geklappt. Also: “Be water my friend.”

Autor: Mo Darja Schäffer

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