Aber Papier ist doch nachhaltig

Das grüne und nachhaltige Image, welches Papier und Pappe in den Köpfen vieler Menschen immer noch hat, ist längt überholt. Der Ressourcen-, Chemie- und Energieaufwand, der für die Herstellung von Pappe benötigt wird ist enorm. Zwar kann Papier recycelt werden, doch da die Länge der Zellstofffasern mit jedem Recycling-Vorgang abnimmt, sinkt auch kontinuierlich die Qualität des entstehenden Papiers. Da Altpapier nur vier bis sechs Mal wiederverwendet werden kann, muss auch beim Recycling kontinuierlich neuer Zellstoff hinzugegeben werden. So steht der Energieaufwand der Produktion in keinem Verhältnis zu der kurzen Lebensdauer der Kartons.

Was wird für die Herstellung eines Kartons benötigt?

Für eine fundierte Beurteilung muss zunächst der Prozess hinter der Herstellung von Karton beleuchtet werden. Der für die Herstellung von Pappe und Papier nötige Zellstoff wird überwiegend aus Holz gewonnen. In Deutschland wird das für die Zellstoffproduktion nötige Holz zu 80 Prozent importiert, nicht selten auch aus Urwaldgebieten. Dieser Raubbau an unserer Natur nimmt jetzt schon verheerende Folgen an, Angelika Krumm, von der Umweltorganisation Robin Wood, in Schwedt/Oder sagt dazu: „Das allermeiste Papier, in Form von Zellstoff, das wir für die Produktion in der deutschen Papierindustrie importieren, stammt tatsächlich aus Brasilien. Überwiegend aus Eukalyptus-Plantagen.“ Genau für diese Eukalyptus-Plantagen müssen immer wieder Urwaldgebiete weichen. Doch auch in Russland, Kanada und Schweden ist der industrielle Holzeinschlag für das Verschwinden der Urwälder verantwortlich. Globale Klimaveränderungen und Bodenerosionen sind zu einem nicht unerheblichen Teil auf den jährlichen Rückgang von 12 bis 15 Millionen Hektar Wald zurückzuführen.

Durch die Aufzucht und Rodung von nur einem Kilo Holz werden sieben Gramm Treibstoff benötigt, der Transport nach Deutschland ist hierbei noch nicht berücksichtigt. Für die Produktion von einem Kilo versandgeeigneter Kartonage werden über 1,5 Kilo Holz benötigt. Zur Lösung der Frischfasern aus dem Holz werden verschiedene Schwefelsäuren verwendet. Auch die in Europa vorwiegend verwendete „chlorarme Bleiche“ ist hochgradig umweltbelastend. Das Prädikat “chlorfrei” weist nur darauf hin, dass kein elementares Chlor verwendet wurde. Für die Aufbereitung des Zellstoffes, werden weiterhin große Mengen Wasser, Energie und Chemikalien benötigt.  So ist die Herstellung von Papier, unter allen primären industriellen Herstellungsprozessen, der viert Energieaufwändigste.

Ist Papierrecycling die Lösung?

Obwohl wir in Deutschland, pro Kopf gerechnet, den drittgrößten Papierbedarf haben (250 kg/Jahr), führen wir das weltweite Ranking des Papierrecyclings an. Recycling ist ein wichtiger Schritt zum Einsparen der in der Papierherstellung benötigten Ressourcen. So ist bei der Herstellung von Recyclingpapier der Energiebedarf um 60 Prozent und der Wasserverbrauch um bis zu 70 Prozent geringer, als bei der des Frischfaserpapiers. Doch da auch bei der Herstellung von Recyclingpapier Frischfasern hinzugefügt werden müssen, ist dieser Prozess für ein Einwegprodukt immer noch sehr energie- und ressourcenaufwändig. So wird zum Beispiel für die Herstellung eines Kilos Recyclingpapiers circa 8 Liter Wasser benötigt!

Was könnten also Lösungsansätze sein?

Bei fünf Millionen Kartons, die allein die DHL Tag für Tag durch Deutschland transportiert, wäre ein komplette Umstellung auf Recyclingpapier nicht im Ansatz ausreichend, um von einer nachhaltigen Lösung zu sprechen. Eine praktikable und gute Lösung könnte und sollte die Umstellung auf Mehrwegversandsysteme sein. Genau die macht ein Berliner Startup nun vor. Die Einkaufsgemeinschaft GEMEINSAM BIO will ihren gesamten Versand auf „Mehrweg“ umstellen. Nach eigenen Aussagen der Gründer spart eine einzige Box über eine Tonne unnötige Kartonage ein. Rechnet man diese Einsparung auf fünf Millionen Pakete täglich hoch, wären die eingesparten Ressourcen bereits ein großer Schritt zu einer resilienten Gesellschaft.

Zur Finanzierung des Mehrwegversandes von GEMEINSAM BIO läuft gerade eine Crowdfunding-Kampagne, weitere Infos zum Thema finden Sie hier.

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