DDR – Trauerbewältigung für ein Land – Miriam Gudrun Sieber

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Götz Wittneben im Gsepräch mit der Lebensbegleiterin und Autorin Miriam Gudrun Sieber

Miriam Gudrun Sieber ist Jahrgang 1952, wurde in der DDR geboren und lebte bis zum Mauerfall in diesem Teil Deutschlands. Mit der Auseinandersetzung und der Heilung ihrer Lebensgeschichte hat sie sich auf die Suche nach ihren Wurzeln gemacht und in biografischen Arbeiten auch anderen Menschen Raum und Möglichkeiten gegeben, über sich zu sprechen.

Seit fast 30 Jahren gibt es den Begriff DDR nicht mehr. Drei Buchstaben, die weder einen Klang, noch eine Gefühl auslösen, wenn man sie hört. DDR klingt genau so, wie Diktatur gemeint ist: Ein rationales Konstrukt von Dogmatikern, ein menschliches Experiment nach den Vorstellungen engstirniger, machtsüchtiger Herrscher. Dieses Land erlitt durch die russische Besatzung nach dem Krieg, ein völlig anderes Schicksal als der andere deutsche Teil. Nach der Diktatur der braunen Herrschaft folgte die nächste Traumatisierung durch die rote Diktatur mit einer Mauer ohne Schlupflöcher. Diese Grenze zu überwinden, bedeutete für viele Menschen, ihr Leben zu riskieren. Doch was geschah hinter der Mauer? Wie lebten die Menschen, was träumten sie, welche Schmerzen und Herausforderungen hatten sie zu bestehen, wie sah der Alltag aus, wie liebten sie? Die meisten Menschen vor der Mauer, die von dieser Seite bunt angemalt war, hatten wenig Interesse an den DDR Geschichten. Höchstens Verwandte und Freunde sorgten sich, die aber immer froh waren, wenn sie nach Besuchen das Land unbeschadet verlassen konnten.

Nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung Deutschlands trafen zwei Völker aufeinander, die nach dem Ende des Krieges, 40 Jahre lang völlig entgegengesetzte Sozialisierungen und Kulturen erlebt hatten. Bis zum heutigen Tag trennen uns diese Erfahrungen voneinander. In den neuen Bundesländern setzte die Ostalgie ein, da die Wiedervereinigung in rasanter Geschwindigkeit vor sich ging und alles Leben in allen Bereichen verändert wurde. Niemand fand Zeit, das Alte zu verabschieden. Erst jetzt, nach vielen Jahren, kann erneut zurück geblickt werden, um sich zu erinnern, zu erzählen, zu weinen und zu lachen. Es geht um Würde und Würdigung, um Erkenntnis und Annahme, um Frieden, mit dem was gewesen ist.

Mit der biografischen Arbeit über Frauen- und Männerleben in der DDR gibt Miriam Sieber dem Land ein Gesicht durch die Lebensgeschichten der Menschen. Sie arbeitet eine Zeit auf, die für die meisten Leute bislang keinen Raum hatte oder auch nicht erwähnenswert erschien. Wie grau und fade war doch alles in der DDR, gegen das bunte Leben und die vielen Möglichkeiten des Westens. Viele schämten sich für ihr Unvermögen, für das nicht Weltgewandt sein als die Grenze sich öffnete. Auch für die Angst vor dem Neuen, für die Unsicherheiten und für vieles mehr.

Dennoch, oder gerade, gab es Werte und Erfahrungen, die mit den tiefsten Sehnsüchten aller Menschen zu tun haben. Es sind Werte wie Solidarität, Verbundenheit, Einfachheit, Mitgefühl, Vertrauen, Mut, Würde, Kreativität und Natürlichkeit. Auch die Fähigkeit, tiefer zu fühlen, das Lesen zwischen den Zeilen und Ereignissen, und Wesentliches zu sehen, das, was nur mit dem Herzen gesehen werden kann. Seelische Kräfte, die sich einen Raum bahnen, besonders unter schwierigen Bedingungen und dadurch stärker fühlbar sind, die die Menschen verbindet und tragen. Es sind die eigentlichen Lebenswerte und wollen jetzt noch einmal als solche in dieser bunten aber oft oberflächlichen Zeit gesehen werden.

Ein weiterer Aspekt im Aufschreiben von Lebensgeschichten liegt darin, einen Raum zu öffnen, in dem erzählt werden kann und ein Zuhören möglich wird. Es ist ein heiliger Raum der Begegnung im Verständnis und Mitgefühl. Ein jedes Leben ist einmalig und nicht zu bewerten. Es trägt in sich das Geheimnis des Menschseins und ist ein Wunder. Es braucht unseren vollen Respekt. Für Miriam Sieber ist diese Erkenntnis eine kraftvolle Möglichkeit für Verständigung und Frieden auf universeller Ebene, zwischen den Völkern, zwischen Mann und Frau, in den Familien und allen Menschen. Auch zwischen Mensch und Natur. Natürlich in diesem Falle besonders im Verständnis zwischen den beiden Teilen Deutschlands. Die Menschheit steht vor einem Wandel. Vielleicht ist diese Art von Begegnung die Basis für ein Weitergehen mit einem neuen Ausgang?

Literatur von Miriam Sieber u.a.: – „Sonnenblumenland – Von der Kraft gelebten Lebens“, Biografien von Frauen aus dem Ostteil Deutschlands, Telescope Verlag, Mildenau – „Männerleben – Die Erfahrung, die mich trägt“, Telescope Verlag,, 2018

Weitere Informationen zu Miriam Sieber: http://http://www.jukami.de/miriam-sieber/

1 Kommentar

  1. Völlig Unnötig. Sinnlose Ansichten, brauchbar für niemanden. Die Dinge sind wie sie sind. Franzosen, Italiener und alle anderen sind auch anders wie … warte mal, West- Deutsche… Ist West dtl die Norm der Dinge? Sicherlich ist eine Mauer keine schöne Sache, aber Grund um über Schicksale zu urteilen noch lange nicht. Was wäre wenn ALLES anders gekommen wäre ? Na hoffentlich müsste ich dann nicht jeden Tag solchen Schund lesen. Daumen runter !

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