Experimentierfeld Pädagogik: Fortschritt oder Gleichmacherei

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„Es war einmal,… so könnte die Beschreibung des deutschen Bildungswesens beginnen.

 

Mit viel Enthusiasmus haben Pädagogen und Politiker nach dem Krieg begonnen, das Erziehungswesen zu erneuern und sich dabei am Ende scheinbar selbst überholt.

 

Nicht viel ist von dem Bildungswesen übrig geblieben, das einmal als Vorbild in der Welt galt. Es gab sicherlich gute Entwicklungen, wie z.B. die „Sonderschulen“ , aber dann begann das ganze über das Ziel hinaus zu schießen, als man die Gesamtschulen einführte, um allen Schülern möglichst gleiche Möglichkeiten einzuräumen und das Lernen zu erleichtern. Damit begann die Gleichmacherei, die das ganze Gesellschaftssystem erfassen sollte.

 

Parallel dazu wurden die Grundlagen des Erziehungswesens verwässert. Die sogenannte „Demokratische Erziehung“ die anfangs noch Grundlage einer jeden pädagogischen Einrichtung war, heißt heute noch genauso, ist aber schleichend in vielen Bereichen in die „antiautoritäre Erziehung“ übergegangen. Die Folgen der „antiautoritären Erziehung“, sieht man heute in Schulen, Ausbildungsbetrieben und der Gesellschaft. Das soziale Gefüge zerlegt sich nach und nach, parallel zum Erziehungswesen.

 

Die demokratische Erziehung beinhaltete nämlich noch, dass bestimmte Regeln in einer Gesellschaft klar stehen und bei einer Überschreitung Sanktionen eingesetzt wurden.

 

Ich kann gar nicht alle experimentellen Aktionen aufzählen, weil dies den Rahmen sprengen würde, aber ich will ein Beispiel nennen, was zeigt, dass es dabei oft nicht um die Kinder, sondern um das Experiment als solches und vielleicht auch um Kostensenkung geht.

 

Ich habe vor ein paar Jahren beruflich mit der sogenannten „Inklusion“ zu tun gehabt und habe deren Grenzen und die Zweifel selbst vieler Pädagogen am Sinn des Ganzen schnell erkennen müssen.

Ich will die Idee nicht insgesamt einfach auf den Müll werfen, aber hinterfragen, ob die „Gleichmacherei“ hier nicht endgültig an seine Grenzen kommt und dies an einem Beispiel festmachen:

 

Ich habe in meiner pädagogischen Ausbildung gelernt, was wie ich denke, auch viele in unserer Gesellschaft wissen, was in der Realität auch ersichtlich ist, dass Autisten in der Regel große Probleme in Gruppen haben. Das ändert sich auch nicht, weil man ihnen die Möglichkeit nicht verwehren will, an einen normalen Unterricht teilzunehmen. Genauso wenig, wie ihre andere Lernweise hier wirklich berücksichtigt werden kann.

Ich konnte an einer dieser Schulen sehen, dass auch mit pädagogischen Schulassistenten“ hier nur Symptome bekämpft werden konnten. Es ist nämlich etwas anderes, ob man einem Rollstuhlfahrer eine Rampe baut oder einen Autisten mit einem seiner größten Probleme konfrontiert und falsche Hoffnungen weckt.

 

Als „Schulassistenten“ waren allerlei „pädagogische“ Kräfte eingesetzt. Die Schulassistenz sollte als Unterstützung der „behinderten“ Schüler arbeiten.

Man kam sich aber angesichts mancher Gewaltausbrüche und auch gefrusteter Schüler auf der anderen Seite, oft vor wie ein Sicherheitsmitarbeiter, was dazu führte, das die Schulassistenten oft wechselten. Dies hat natürlich die Situation verschärft.

Wenn man aber im Gegenzug dazu sah, wie sehr aber daran trotzdem festgehalten wurde, hätte man auf die Idee kommen können, dass es hierbei nicht um die Kinder ging. Eine besondere Förderung konnte eigentlich nur außerhalb der Klasse stattfinden, was nach dem Stressaufbau in der Klasse kaum noch machbar war.

 

Wenn man nun die o.g. Thematik der Gesamtschule und die Inklusion zusammen sieht, könnte man meinen, dass es nicht viel mit einander zu tun hat. Doch ich denke, beim Thema Gesamtschule wurde es den Kindern zunächst zwar leichter gemacht, aber auch nicht besser. Durch die nach der Einführung der Gesamtschule eintretende „Verwässerung“ und der Vereinfachung des Lernens auch im dreigliedrigen Schulsystem, haben nach meiner Meinung in erster Linie noch die Schüler privater Schulen ein Bildungsniveau, wie es mal war. Wiederum resultiert daraus die Frage: Geht es in der allgemeinen Schulpolitik auch nur um das Experiment und das Profilieren oder um die Kinder?

 

Interessanter Weise hat sich aber nach dem Ursprünglichen fast zwanghaften Hang zur Vereinfachung und Erleichterung des Lernens, nun aber alles in ein Gemisch aus Druck und Stress im Ablauf von Schule und Gesellschaft entwickelt. Als Beispiel, möchte ich das Abitur nach der 12 Klasse nennen.

Schule und Lernen haben mittlerweile so viel Raum eingenommen, das die Schüler an ihre Grenzen kommen und da die Abläufe nicht mehr die klaren Strukturen haben, die das drei gliedrige System mal hatte, wird dies verstärkt. Dies hat sich nun auch teilweise bis in die Ausbildungen fortgepflanzt.

 

So hat sich nach anfänglich vielleicht guten Ansätzen, dann alles eher zum Alchemistentum entwickelt! Nach dem Motto, was ergibt dieses Gemisch?

 

 

Das ist wie immer zunächst mal eine Meinung, meine Meinung und ich weiß wovon ich rede, denn ich war nicht nur Schulassistent, sondern bin auch Autist.

 

Gruß Armin

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